L a s s D i c h i n R u h e
u n d w a c h s e
Gruß vom Vogel
Sich außerhalb der uns umgebenden Denkmuster und Verhaltensweisen zu bewegen, ist ein Drang, der wohl in jedem von uns schlummert. Ausbrechen aus dem engen Korsett des Alltags, die Seele durchlüften und die frische Brise der Freiheit genießen. Wir wollen oder sollen (wo liegt der Unterschied?) „funktionieren“ und stark, erfolgreich, klug, zielstrebig, sportlich, cool, ausgeglichen, witzig usw. sein. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Wollen oft nicht einem selbst entspringt, sondern man will, weil man wollen soll. Die Werbung und soziale Medien lassen grüßen. "Grüß Gott!" In der realen Welt sind viele von uns schon durch unvorhersehbare Veränderungen der täglichen Routine an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Nichts mit Coolness und Erhabenheit. So geschieht es, dass das Leben für manch Einen eher ein notwendiges Übel als ein Geschenk ist. Kompliziert und vielschichtig zum Quadrat! "Das Leben ist kein Ponyhof’!" Die haben das damals schon gewusst, diese Bayern. Oder waren es die Chinesen? Oberösterreicher? Wie auch immer. Um nicht unter die Räder zu kommen und sich in totaler Orientierungslosigkeit oder Apathie zu verlieren, ist es unverzichtbar, sich selbst seinen geistigen Freiraum zu lassen. Geistiger Freiraum, das ist der Raum, wo keiner hinkommt außer man selbst. Der Ort, an dem man immer zu Hause ist, ob man will oder nicht, Umzug ausgeschlossen. Die Welt, in der manchmal dichter Nebel herrscht oder man sich selbst die Sicht blockiert. Darum mein Tipp: reiß dich zusammen und gönne dir ab und zu Stunden der Sinnlosigkeit. Fröne dem Leichtsinn und entdecke die Leichtigkeit des Seins. Bungee jumping, Achterbahn fahren, frühmorgens nackt in einem See schwimmen, rein ins Auto und losfahren - ohne Ziel und ohne Plan, Purzelbäume in Serie hinlegen, auf einen Baum klettern und ein fröhliches Lied anstimmen, etc. Solange keiner zu Schaden kommt, ist alles erlaubt. Der Vogel breitet seine Flügel und erhebt sich über den Gedankennebel. Er wohnt in jedem von uns und wartet darauf, sich ausleben zu dürfen. Er passt auf uns auf, hilft uns den Überblick zu bewahren und unsere Perspektiven zu erweitern. Ich freue mich auf die nächste Kolumne und verbleibe mit einem: "Hoch lebe der Vogel!"
Einfach zum wegdenken
Kürzlich machte ich mir Gedanken übers Denken und startete den Versuch ein paar zufällig ertappte Gedanken, welche mich den ganzen Tag begleiten, zu hinterfragen und zu analysieren. Mit folgendem Ergebnis: Denken besteht bei mir aus unfertigen Sätzen, verbunden mit unfertigen Emotionen, halben Bildern und meist wirren Entschlüsselungsversuchen. Alle paar Sekunden ein neuer Gedanke und ein neues Gefühl. Da geht es richtig zur Sache in meinem Denklappen. Ich bin ein Mann und die sind bekanntlich einfacher gestrickt als Frauen. Unvorstellbar, was bei manchen Frauen da abgehen muss. Ich wäre höchstwahrscheinlich schon süchtig nach Baldrian, Pasedan oder Schuhen. Gedanken zu kontrollieren funktioniert leider nicht, unser Gehirn braucht Arbeit. Auch wenn es schwer zu glauben ist, jeder, wirklich jeder denkt permanent. Das Witzige daran: Die Gedanken sind zu 95 % immer die Gleichen (davon 80 % negativ) - ein bisschen viel Leerlauf für die “Krone der Schöpfung”. Unser Cerebrum sucht Logik, Gefahren, Zusammenhänge und meint es gut mit uns. Rund um uns passieren aber oft unlogische Dinge, die Gefahren für unser Leben sind überschaubar, Zusammenhänge werden nach unseren individuellen Erfahrungen konstruiert und haben oft nichts mit der Realität oder Objektivität zu tun. Unser Hirn zeigt sich von diesen Fakten unbeeindruckt. Es hat tausende von Jahren damit verbracht, in einer nicht sehr lebensfreundlichen Umgebung unser Überleben zu sichern. Lieber einmal eine Gefahr überschätzen als tot. Mit diesem Hochleistungsprozessor im Kopf müssen wir leben, aber es liegt an uns, wie wir mit den Daten umgehen. Bei jedem sind andere Datensätze programmiert und doch funktionieren die Festplatten nach demselben Prinzip. Gefahren suchen um das Überleben zu sichern und die soziale Integrität erhalten. Sozialverhalten und Überlebensstrategien sind Kulturabhängig. Was für die einen existenzbedrohlich erscheint, ist für andere eine vernachlässigbare Randnotiz. Doch die Intensität und Glaubwürdigkeit dieser Informationen sind für alle gleich. Sie sind unsere Welt.
Das macht uns fertig
und trotzdem tun wir es ständig. Nicht, weil wir wollen, sondern weil unser Kopf seit ewigen Zeiten darauf programmiert ist. Wir vergleichen uns mit anderen. Früher war das auch sinnvoll. Wer schneller rennt, wer stärker ist, wer mehr Beeren findet oder Tiere tötet. Es war weniger Vergleich als vielmehr die Frage: „Kann ich etwas lernen, das mir beim Überleben hilft?“ Vergleich war lokal. Überschaubar. Eingebettet in eine Gemeinschaft. Unser Gehirn unterscheidet jedoch nicht zwischen der kleinen Gruppe am Lagerfeuer und den hunderten Menschen aus aller Welt, die uns heute täglich über Bildschirme & Handys beeinflussen. Noch vor dem ersten Kaffee vergleichen wir uns mit der ganzen Welt. Angefangen beim Spiegelbild, das uns morgens die ungeschminkte Wahrheit zeigt. Studien zeigen, dass dieser automatische Vergleich in Millisekunden abläuft – noch bevor wir merken, dass wir überhaupt schauen. Ich persönlich schaue schnell. Zack - und schon sehe ich. Und trotzdem vergleiche ich mich. Mit Batman zum Beispiel. Likes, Körper, Einkommen, Kreativität, Erfolg – Alles optimieren. Das Internet ist ein globales Schaufenster, das uns einflüstert, wir seien immer ein bisschen zu wenig. Mit Ausnahme von unserem Körper. Der ist oft ein bisschen zu viel. Zu wenig schön, klug, witzig oder erfolgreich. Zu wenig männlich oder weiblich. Dieses permanente „weg von dir, hin zu einem besseren Menschen“ lässt uns orientierungslos durchs Leben schweben. Oder stolpern. Künstlich erzeugten Idealen hinterherzujagen ist, als würde man ein Kleinkind ständig an den Armen nach oben ziehen, damit es schneller wächst. Ein Kind ist einfach da. Zufrieden mit sich und der Welt. Wobei – zufrieden? Es ist ja noch nicht optimiert. Total unfertig, diese Zwergenmenschen.! Peinlich. Sollten deine Wünsche Realität werden (ich wünsche es dir von Herzen), vergiss nicht: Der einzige Vergleich, der zählt, ist der mit dir selbst. Mit dem Menschen, der du gestern warst und dem, der du morgen sein willst. Das nächste Mal, wenn du morgens in den Spiegel schaust, sag ruhig laut: „Boah, bin ich geil. So sieht die Krone der Schöpfung aus! Ich verbleibe mit einem: Man, bin ich Mensch ;)